4,7 % Leerstand in Österreich
- Feb 11
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Der Begriff Leerstand taucht im wohnungspolitischen Diskurs regelmäßig auf. Oft entsteht dabei der Eindruck, als gäbe es genügend Wohnungen, sie würden nur nicht genutzt. Ein Blick auf die Zahlen zeigt jedoch ein differenzierteres Bild. In Österreich liegt die Leerstandsquote aktuell bei rund 4 bis 5 Prozent, je nach Region und Definition.
Diese Quote umfasst sehr unterschiedliche Situationen. Dazu zählen Wohnungen, die gerade den Eigentümer wechseln, Objekte in Sanierung oder Einheiten, die kurzfristig nicht vermietet sind. Ein erheblicher Teil dieses Leerstands ist damit funktional und Teil eines normalen Wohnungsmarktes. Von dauerhaft verfügbaren, sofort nutzbaren Wohnungen kann nur in einem begrenzten Ausmaß gesprochen werden.
Gerade in Ballungsräumen zeigt sich, wie eng der Markt tatsächlich ist. Dort liegt der reale, marktwirksame Leerstand deutlich niedriger. Wohnungen, die qualitativ passen und leistbar sind, finden meist rasch neue Nutzer. Längere Leerstände treten vor allem dort auf, wo Lage, Zustand oder Preis nicht zusammenpassen.
Die Diskussion rund um Leerstand greift daher oft zu kurz. Sie blendet aus, dass ein gewisser Anteil notwendig ist, um Umzüge, Sanierungen und Marktbewegungen überhaupt zu ermöglichen. Ein Wohnungsmarkt ohne Leerstand wäre kein funktionierender Markt, sondern ein blockierter.
Gleichzeitig zeigt die Debatte, dass steuernde Instrumente sinnvoll sein können, wo Wohnungen über längere Zeit dem Markt entzogen werden. Eine gezielte Leerstandsabgabe kann helfen, Angebot zu aktivieren, ohne funktionalen Leerstand zu bestrafen. Entscheidend ist dabei eine klare Definition und eine differenzierte Anwendung.
Für die Bewertung der Angebotslage ist deshalb weniger die absolute Zahl entscheidend als ihre Zusammensetzung. Vier bis fünf Prozent Leerstand bedeuten keinen Überfluss, sondern einen sehr begrenzten Spielraum. Wie dieser genutzt wird, ist eine der zentralen Fragen für die kommenden Jahre – am Markt wie in der politischen Diskussion.


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